AWO zu Armutszahlen: Zu viele Menschen abgehängt und ausgeschlossen

03.11.2016 - 08:20

„Die tatsächlichen Lebensbedingungen der Menschen haben in Deutschland immer weniger mit der gesamtwirtschaftlichen Lage zu tun“, äußert sich AWO-Vorstand Wolfgang Stadler zu den Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes hinsichtlich Armutsgefährdung. „20 Prozent der Bevölkerung sind von Teilhabe und Wohlstand ausgeschlossen. Diese Zahl ist seit acht Jahren konstant und steht im starken Widerspruch dazu, dass wir aktuell die niedrigste Arbeitslosenzahl seit 25 Jahren haben. Hier wird eine bedenkliche Entkopplungstendenz sichtbar. Die AWO fordert von der Politik, diese bedrohliche Entwicklung zu stoppen.“

AWO Hamburg lebt Solidarität, Partizipation und Teilhabe

Die AWO weist darauf hin, dass in Deutschland trotz wirtschaftlich guter Lage weiterhin so viele Leute abgehängt und ausgeschlossen werden und dass dagegen politisch gehandelt werden muss. In Hamburg setzt sich der Landesverband für alle Menschen ein, die nicht gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – ob hinsichtlich ihrer Bildung, der finanziellen oder privaten Situation. So gibt das Jugend- und Bildungswerk der AWO Hamburg sozial abgehängten Jugendlichen die Möglichkeit, eine Ausbildung beispielsweise zum*zur Fachinformatiker*in oder Metalltechniker*in zu absolvieren. Diese Auszubildenden arbeiten unter anderem im IT-Sozialkaufhaus, in dem Menschen mit wenig Geld Computer und Zubehör erwerben können. Zudem unterstützt der Wohlfahrtsverband Geflüchtete, Migrant*innen, Familien oder Krebserkrankte in Beratungsstellen. „Wir helfen allen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe und wollen Inklusion und Toleranz leben – das, was wir selbst von der Gesellschaft fordern“, sagt AWO-Landesgeschäftsführer Michael Schröder. Dies strebt die AWO Hamburg in allen ihren rund 130 Einrichtungen an. Sowohl im Kita- und Jugendbereich sowie auch in den Seniorentreffs und in der Flüchtlingsunterkunft: Partizipation, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität stehen an erster Stelle.

Vermögensungleichheit als eine Ursache von Armutsgefährdung

Europaweit besteht in der Bundesrepublik die höchste Vermögensungleichheit. Während die untere Hälfte der Haushalte nur  über rund ein Prozent des gesamten Nettovermögens verfügt, besitzen die oberen zehn Prozent fast 60 Prozent. Die AWO sieht die Lösung in einem  neuen ganzheitlichen Weg, der eine Querschnitts- und Gesamtstrategie beinhalten muss. „Soziale Gerechtigkeit kann nur gelingen, wenn einerseits allen Menschen in unserer Gesellschaft Chancengleichheit und eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht und andererseits mehr Solidarität der Reichen und Vermögenden durch eine gerechte Verteilungspolitik eingefordert wird“, fordert Wolfgang Stadler. „Für das politische Ziel von mehr sozialer Gerechtigkeit ist die AWO jederzeit bereit, tatkräftig mitzuarbeiten.“

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