Depressive Symptome: Häufige Begleiter einer Krebserkrankung

26.09.2016 - 08:34

Depression ist eine Volkskrankheit. So definiert die Stiftung Deutsche Depressionshilfe diese psychische Erkrankung. Denn laut ihrer Schätzung sind knapp fünf Prozent der deutschen Bevölkerung davon betroffen. Besonders häufig zeigen Krebspatienten oder deren Angehörige depressive Symptome, wie Kathleen Raasch und Carolin Müller, Diplom-Psychologinnen der AWO-Krebsberatungsstelle in Hamburg-Wandsbek wissen. Denn eine Krebsdiagnose ist sowohl für Betroffene als auch für Angehörige zunächst ein großer Schock: Sie erleben eine tiefe Verunsicherung, sind oft hilf- und fassungslos, fühlen sich überfordert und sind mit vielen Ängsten konfrontiert. „Viele unserer Klienten leiden, nachdem sie ihre Diagnose erhalten haben oder die medizinische Therapie abgeschlossen ist, an einzelnen depressiven Symptomen“, sagt Kathleen Raasch. „Sie fühlen sich traurig, hoffnungslos, wertlos und können keine Freude mehr spüren.“ In der Einzelberatung ergründen die Psychoonkologinnen zunächst, ob die depressiven Symptome nur vorrübergehend oder langfristig sind. Manchmal versteckt sich dahinter auch das Fatigue-Syndrom – ein chronischer Erschöpfungszustand, bei dem Betroffene typische Symptome zeigen, aber weniger negative Gedanken haben.

Krebsberatung kann ersten Halt bieten

Einen Halt finden Krebspatienten und Angehörige ab 18 Jahren oftmals schon in den ersten Beratungsstunden bei Carolin Müller und Kathleen Raasch. „Vor kurzem hatte ich eine junge Frau bei mir sitzen, die an schwarzem Hautkrebs erkrankt war“, erzählt Carolin Müller. „Sie weinte die ganze Zeit und wusste nicht mehr ein noch aus. Sie hat dann nach ein, zwei Sitzungen gemerkt, dass es ganz normal ist, wenn die Gefühle am Anfang verrücktspielen.“ Die Übergänge zwischen normalem und krankhaftem Verhalten bei Krebspatienten sind fließend. Wenn sie den Alltag nicht mehr bewältigen können, ist dies ein erster Indikator für eine Depression. In die AWO-Krebsberatung kommen auch viele Angehörige von Menschen, die an Krebs erkrankt oder gestorben sind. Insbesondere besteht psychologischer Unterstützungsbedarf, wenn sie ihre Trauer depressiv verarbeiten oder bereits trauern, wenn der Erkrankte noch lebt. „Vor allem für Eltern ist es schlimm, ihre Kinder zu verlieren“, sagt Carolin Müller.

Neben dem Erkennen von depressiven Symptomen erarbeiten die Psychoonkologinnen zusammen mit den Klienten eine konstruktive Einstellung zum Leben. Die Betroffenen entwickeln Ziele und Wünsche für die Beratung und versuchen, die Erkrankung zu akzeptieren, soweit möglich. „Wir möchten die Erhaltung der Lebensqualität unserer Klienten unterstützen und sie im Verarbeitungsprozess begleiten“, so Kathleen Raasch. Betroffene lernen in der Krebsberatung nicht nur, ihre Erkrankung anzunehmen, sondern sich bei einer palliativen Diagnose auch die Frage zu stellen, was jetzt noch wichtig ist.

Kontakt:

Krebsberatung der AWO Hamburg
Kathleen Raasch, Carolin Müller, Dipl.-Psychologinnen
Telefon: 040 - 414023-30 (Mo-Do 11.00 - 12.00 Uhr)
E-Mail: krebsberatung@awo-hamburg.de
www.awo-hamburg.de/krebsberatung
Online-Beratung: https://awo-krebsberatung-hamburg.beranet.info

Krebsberatung
Kathleen Raasch, Diplom-Psychologin
Krebsberatung
Carolin Müller, Diplom-Psychologin

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