Mit Demenz in einer WG leben: 10 Jahre AWO-Haus „Simrose“

21.09.2016 - 07:01

In der Wohn-Pflege-Gemeinschaft in Hamburg-Iserbrook ist immer was los: Die sieben Frauen und Männer, die im AWO-Haus Simrose leben, bekommen fast täglich Besuch von ihren Kindern und Enkelkindern. Die Einrichtung ist angehörigengeführt, das bedeutet, dass die Angehörigen aktiv das Leben ihrer Eltern oder Großeltern mitgestalten und sich auch um andere Bewohner kümmern. Mitarbeitende der AWO-Sozialstation Eimsbüttel betreuen und pflegen die Demenzerkrankten. Zur zehn Jahre alten WG gehören mittlerweile auch Hunde, die die Pflegerinnen täglich in die Simrose mitbringen. „Die Vierbeiner sind immer Anlass für die Bewohner, miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Frau Karin Kolberg, Teamleiterin der AWO-Sozialstation Eimsbüttel und für die Pflege in der Dementen-WG zuständig. „Zudem wirken sie beruhigend und geben unseren Klienten, von denen die meisten an Alzheimer-Demenz leiden, Sicherheit.“

Die ganze Familie ist gefordert

Die wesentlichen Symptome einer Demenz zeigen sich in der Vergesslichkeit und Wesensveränderung. Zunächst verlegt der Betroffene Gegenstände, vergisst sein Wort oder weiß nicht mehr, wo er oder sie hingehen wollte. In der zweiten Phase der Demenz bemerken die Erkrankten ihre Vergesslichkeit und dass ihr Umfeld sie schlimmstenfalls nicht mehr richtig versteht. „Ich rate Angehörigen hier, geduldig zu sein, auf den Erkrankten einzugehen“, sagt Karin Kolberg. „Man sollte ihn dort abholen, wo er sich befindet und nicht sagen ‚Das habe ich dir doch schon zehnmal erzählt!‘“. Alzheimer betrifft die ganze Familie, weil jeder gefordert ist, mit der Wesensveränderung des Betroffenen umgehen zu müssen. Die AWO-Fachkraft erinnert sich an eine ältere Dame aus der Dementen-WG, die mit gepackten Koffern verreisen wollte. „Ich sagte ihr nicht, dass das unmöglich sei, sondern fragte sie, wohin es gehen soll und lud sie noch auf einen letzten Kaffee ein. Beim Getränk hatte sie ihre geplante Reise schon vergessen.“ Oder ein anderes Mal fiel einem älteren Klienten die Tasse herunter. Kolberg machte ihm keine Vorwürfe, sondern beruhigte ihn mit den Worten „Na ja, das kann mir auch passieren.“. Einfühlungsvermögen ist bei den Pflegekräften sehr gefragt. Trotzdem verfallen viele Betroffene in dieser Phase in Depression und ziehen sich komplett zurück.

Jeder trägt so viel zur Gemeinschaft bei, wie er kann

Der gute Personalschlüssel (7:2) in der AWO-Wohngemeinschaft ermöglicht den Demenzerkrankten, ihren Alltag nach ihren Bedürfnissen zu leben. „Sie gehen zusammen einkaufen und kochen – jeder trägt so viel zur Gemeinschaft bei, wie er oder sie kann. Dadurch fördern wir die Ressourcen des Einzelnen“, erklärt Kolberg „In der Simrose passen wir uns den Bedürfnissen unserer Bewohner an – und nicht umgekehrt“, sagt die 48-Jährige. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Plätze in der Dementen-WG sehr nachgefragt sind, da es nicht viele solcher alternativen Betreuungsformen in Hamburg gibt.

Kontakt:

Wohn-Pflege-Gemeinschaft „Simrose“ der AWO
Ansprechpartner für Erstkontakt: Kay Seidl
Tel.: 040 43 17 00 0
Mail: kay.seidl@awo-hamburg.de

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