Stratege mit Herz: Geflüchteten Perspektiven eröffnen

24.11.2017 - 12:42

Elhouceine Ould Chighali ist leidenschaftlicher Lebenslagenberater im Programm W.I.R der AWO-Tochtergesellschaft AQtivus. „‚Helfen ist Teil der Kultur meiner Heimat“, sagt der 35-jährige Elhouceine Ould Chighali aus Mauretanien, seit Juli 2017 Lebenslagenberater im Programm W.I.R von AQtivus. Wenn er über das schwere Schicksal seiner Kundinnen und Kunden spricht, verströmt er kraftvolle Herzlichkeit. Wie er sich diese Energie bewahrt? „Ich weiß, dass diesen Menschen geholfen werden kann. Diese Hoffnung vermittle ich. Deshalb gehen meine Kunden mit einem Lächeln. Das gibt mir Kraft zurück.“

Auf der Pirsch nach einem neuen Job entdeckte er die Ausschreibung der AWO Hamburg: Gesucht wurde ein Mitarbeiter im Bereich Unterkunftsmanagement: Es ist das Jahr 2015 und Chighali erinnert sich an all die Flüchtlingsbilder in den Medien: „Ich hätte auch einer von diesen Menschen sein können. Ich selbst hatte so viel Glück und wollte etwas zurückgeben!“ Er erkannte in der AWO einen Arbeitgeber, der Menschen hilft; die AWO erkannte in ihm den warmherzig Engagierten. So bekam er den Job.

„Diese Arbeit hat mir viel Spaß gemacht!“, betont Elhouceine Ould Chighali, als klar wird, dass die Erstunterkünfte in Hamburg Ende 2017 von der Stadt geschlossen werden. „Die AWO wollte ich auf keinen Fall verlassen!“ Dann sah er die AQtivus-Ausschreibung und die Chance, innerhalb der „Familie“ bleiben zu können. Er bewarb sich, überzeugte erneut – und ist seit Juli dabei: „In der Unterkunft wurde ich von allen Seiten gleichzeitig um Hilfe gebeten. Jetzt kann ich mich ganz auf eine Person oder Familie pro Termin konzentrieren.“

Sobald in der Beratung eine Vertrauensbasis hergestellt ist, bespricht und plant er zusammen mit den Kunden alle weiteren notwendigen Schritte. Er leitet sie dann so an, dass sie die Hindernisse sicherer bewältigen – und besser ankommen in ihrem neuen Leben. „Ohne dich hätte ich es nicht geschafft“, hört er immer wieder. Das macht Elhouceine Ould Chighali glücklich.

Es ist das erste Modell seiner Art in ganz Deutschland: das Programm „Work and integration for refugees“, kurz W.I.R. Die Mitarbeitenden unterstützen seit Februar 2016 geflüchtete Menschen mit guter Bleibeperspektive dabei, in Deutschland anzukommen, sich entsprechend ihren Fähigkeiten sprachlich und beruflich zu qualifizieren und ihren Weg in die Arbeitswelt zu finden.

Rund 16 der insgesamt über 50 Mitarbeiter*innen der AWO-Tochtergesellschaft AQtivus arbeiten neben anderen Expert*innen mittlerweile in dem Programm W.I.R. Das AQtivus-W.I.R-Team unterstützt die Geflüchteten bei Fragen zu allen Lebenslagen sowie im Bereich „Unternehmensservice“ zu ihren beruflichen Kompetenzen und Perspektiven am Arbeitsmarkt. Ob Familiennachzug, Gesundheit oder Finanzen, Unterstützung bei der Wohnungssuche oder die Vorbereitung von Bewerbungen – das Beratungsrepertoire ist umfangreich.

Unter der Federführung der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) arbeitet AQtivus eng mit der Agentur für Arbeit Hamburg, dem Jobcenter team.arbeit.hamburg, der Handels- und Handwerkskammer, dem Hamburger Fachkräftenetzwerk und anderen Trägern zusammen. Alle Mitarbeitenden in dem W.I.R-Programm sprechen neben Deutsch viele weitere Sprachen wie Arabisch, Dari/Farsi und Englisch.

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