Geschichte

Von der Selbsthilfe der Arbeiterschaft zum Spitzenverband der Wohlfahrtspflege in Deutschland

Die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt ist sehr eng mit der deutschen Geschichte verbunden: Als das Deutsche Reich nach dem 1. Weltkrieg zerstört ist und Millionen Menschen in Not sind und hungern, schlägt die 40-jährige Marie Juchacz, Frauensekretärin beim Parteivorstand der SPD und Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, vor, aus den verschiedenen Organisationen der Arbeiterbewegung eine sozialdemokratische Wohlfahrtsorganisation zu bilden.

Ziel sollte es sein, die unterdrückende Armenpflege des alten Kaiserregimes abzulösen und die Idee der Selbsthilfe und Solidarität in eine moderne Wohlfahrtspflege hinein zu tragen. Arbeiterinnen und Arbeiter sollten nicht länger nur Objekt der Armenpflege sein. Juchacz rief am 13. Dezember 1919 den "Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt" in der SPD ins Leben. Friedrich Ebert, der erste deutsche Reichspräsident, gab dem jungen Wohlfahrtsverband das Motto auf den Weg: "Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiterschaft".

Auch in Hamburg entstand schnell nach der Gründung in Berlin Anfang 1920 eine Ortsgruppe, die sich um Notleidende kümmerte: Engagierte Frauen und Männer, teilweise selbst in arger Not, richteten beispielsweise Mittagstische für bedürftige alte Menschen ein und übernahmen die Verwaltung der Ferienkolonie Köhlbrand für Kinder im Hamburger Hafen. Erste Kindergärten und Kindertagesstätten wurden aufgebaut, und 1929 eröffnete der „Verein für Arbeiterwohlfahrt“ ein bis dahin einzigartiges Frauenwohnheim. Viele Tausend Menschen kamen jährlich in die Beratungsstunden der Geschäftsstelle in der Großen Theaterstraße. Am 29. September 1933 wird die Organisation auf Anordnung des Senats aufgelöst, die Einrichtungen werden in die NS-Volkswohlfahrt überführt.

Nach der Neugründung im Jahr 1945 hat die Arbeiterwohlfahrt in Hamburg wie auch in der ganzen Bundesrepublik viele neue soziale Aufgaben übernommen, die im Wandel der Gesellschaft ihren Ursprung haben. Dazu gehören die Betreuung der zahlreichen ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seit Beginn der 1960er Jahre, die stationäre und ambulante Altenhilfe, die Suchtberatung, sozialpsychologische Betreuung und vieles mehr. Heute betreibt die AWO in Hamburg mit rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 160 Einrichtungen, darunter allein 24 Kitas. Zu den Engagementfeldern zählen Angebote für Kinder, Jugendliche, Eltern, Senioren und Unternehmen. Schwerpunkte der Arbeit sind auch Angebote und Dienstleistungen rund um die Themen Gesundheit, Pflege sowie Beruf & Integration. Der Grundsatz der sozialen Arbeit der AWO ist auch weiterhin die Hilfe zur Selbsthilfe. Heute ist die AWO in weit größerem Maße als früher Trägerin sozialer Aufgaben und Dienstleistungen und gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland.

Eine Kurz-Chronik der Geschichte der AWO Hamburg finden Sie hier

Mehr zur Geschichte der AWO finden Sie auf den Seiten des AWO Bundesverbandes.

Marie Juchacz
Marie Juchacz (1879 – 1956) gründete im Jahr 1919 die Arbeiterwohlfahrt Quelle: Fotoarchiv im AdsD der FES
Geschichte
Kinder auf dem Weg zur 1922 eröffneten Ferienkolonie Köhlbrand im Hamburger Hafen